Dr. Ulrich Klocke, Sozialpsychologe an der Humboldt-Universität und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bildungsinitiative QUEERFORMAT
im Gespräch zu " Wir fordern die Umsetzung der normkritischen Gender-, Körper- und Sexualpädagogik an allen Bildungseinrichtungen!"

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Was hat diese Forderung mit deiner Lebenswelt zu tun?
Ich bin Wissenschaftler an der Humboldt-Universität und forsche dazu, wie Vorurteile und Diskriminierung abgebaut werden können. Aus eigenen Studien und existierender Forschung weiß ich, dass starre Geschlechternormen zu den Hauptursachen für Homo- und Transphobie gehören. Wer Männer ablehnt, die sich feminin verhalten oder Frauen ablehnt, sie sich maskulin verhalten, lehnt auch eher lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Personen ab. Um die Situation von LSBTI* zu verbessern, sollten also gerade Bildungseinrichtungen die Vielfalt von Geschlecht, Körper und sexueller Orientierung wertschätzend sichtbar machen.

An wen richtet sich deiner Meinung nach die Forderung (Politiker*innen, Community, Gesellschaft)?
An Bildungspolitiker*innen, Schulverwaltungen, Verantwortliche in der Ausbildung von Lehrkräften und anderen pädagogischen Fachkräften, Schul- und Kinderbuchverlage und natürlich an alle Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte, z. B. an Schulen, Jugendeinrichtungen und Kindertagesstätten.

Wie kann diese Forderung umgesetzt werden?
Indem alle Materialien und Medien, in denen Menschen vorkommen, die Vielfalt unserer Gesellschaft zeigen. Indem Lehrkräfte die Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt nicht nur im Biologieunterricht behandeln, sondern beispielsweise auch im Geschichts- und Politikunterricht, wenn es um Menschenrechte geht, im Ethik- oder Religionsunterricht, wenn es um Liebe, Familie und Partnerschaft geht oder im Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht, wenn dort Geschichten gelesen oder Filme geschaut werden.

Indem Einrichtungen sich in ihrem Leitbild klar und für alle Mitglieder ersichtlich für Vielfalt und gegen Diskriminierung aussprechen und dabei explizit auch sexuelle Orientierung, Geschlecht und Geschlechts-Nonkonformität als Kriterien nennen. Indem pädagogische Fachkräfte unter Berufung auf dieses Leitbild gegen Diskriminierung vorgehen, auch gegen die Verwendung von Begriffen wie „Schwuchtel“, „Lesbe“, „Spast“ oder „Penner“ als Schimpfwörter; wenn möglich ohne Moralisierungen, sondern indem sie die dahinter stehenden Normen hinterfragen und Perspektivübernahme anregen.

Was würde es bedeuten, wenn diese Forderung erfüllt wird?
Kinder und Jugendliche, die Geschlechternormen nicht erfüllen, würden weniger lang mit ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität hadern und dabei unter Ängsten, Depressionen und Suizidgedanken leiden, sondern sich zugehörig und angenommen fühlen.

Termin

25.07.2018 ab 00:00 Uhr bis 00:00 Uhr

Location

Die 11 Forderungen des CSD Forums
Berliner CSD e.V., Courbierestraße, Berlin, Deutschland

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